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Weiblicher Gesang in der Umbruchszeit des 13. Jahrhunderts

06.05.2026, 18:00
ZhDK, Toni-Areal, Hörsaal 5.T09, Ebene 5, Pfingstweidstr. 96,
SMG Sektion Zürich

Johannes Luther

Eine Koproduktion von ZHdK, Master Performance, Institute for Music
Research und SMG, Sektion Zürich

Wie wurde «weiblich» konnotierter Gesang im Europa des 13. Jahrhunderts in verschiedenen Kontexten wahrgenommen, gedeutet und normiert? Unter «weiblichem» Gesang wurden nicht nur ausdrücklich Frauen und Mädchen zugeschriebene Gesangsstimmen verstanden, sondern auch hohe Gesangsstimmen, die von typisch «männlichem» Gesang unterschieden wurden. Weiblicher Gesang fand in den schriftlichen Quellen des Mittelalters häufigen Niederschlag. In diesem Vortrag wird diese unmittelbare Form der Musikausübung mit geschichtswissenschaftlichem Blick beleuchtet. Die Kommentierung, Bewertung und Regulierung von weiblichem Gesang wird durch die Analyse des verwendeten Klangvokabulars ergründet. Durch die Einbettung des Gesangs in drei miteinander verbundene Kontexte – einen kirchlich-liturgischen, einen städtisch-zeremoniellen und einen höfisch-erzieherischen – ergeben sich verschiedene Deutungszusammenhänge. Die Beschäftigung mit weiblichem Gesang ermöglicht es, das 13. Jahrhundert als politische, gesellschaftliche und kulturelle Umbruchszeit vom Hoch- zum Spätmittelalter aus einer klang- und geschlechtergeschichtlichen Perspektive zu verstehen.

Johannes Luther studierte Geschichte und Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft und promovierte 2021 an der Universität Zürich zu «Bischöfliche Gruppenbildungen und Vernetzungen im burgundischen Raum, 1032-1156». Seit 2021 ist er Oberassistent am Historischen Seminar der Uni Zürich. Daneben ist er seit 2025 Redaktionsmitglied der Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte (SZG). Zurzeit habilitiert er sich mit dem Projekt «Die Wahrnehmung, Deutung und Normierung von weiblichem Gesang im 13. Jahrhundert in historischer Perspektive» und setzt sich im internationalen Lehrprojekt «DenkHaltung DH» mit dem kritischen Einsatz von Methoden der Digital Humanities in den Geschichtswissenschaften auseinander.

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