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Vortrag: Don Quixotes Heimweh. Wilhelm Kienzl und das Ende des langen 19. Jahrhunderts

04.05.2021, 18:30
Vorträge entweder online per Zoom statt oder im Raum 120, Institut für Musikwissenschaft, Mittelstr. 43,

Sebastian Bolz (München)

Im Musiktheater des österreichischen Komponisten Wilhelm Kienzl (1857–1941) spielt intradiegetische Musik eine zentrale Rolle: In Der Evangelimann (1894), Don Quixote (1897) und Der Kuhreigen (1911) wird innerhalb der Bühnenhandlung ge-sungen und gespielt. Diese Musizierszenen reflektieren nicht nur auf unterschiedliche Weise die Möglichkeiten der Gemeinschaft; sie sind zugleich Stationen einer musikgeschichtlichen Verlusterzählung, die um die Denkfigur des Heimwehs kreist. Ihr Heimatbegriff ist dann kein geographischer, sondern ein historisch-ästhetischer. Gleichwohl sind die Mittel dieser Verklärung spezifisch moderne: Kienzls musikhistorische Parteinahme und seine Auffassung der romantischen Oper, die nicht auf die kompositorische Arbeit beschränkt blieb, stehen im Widerspruch zur Wahl ihrer Mittel, ästhetische Konflikte innerhalb der Musik auszutragen und so reflexiv zu komponieren. Kienzls Opern sind damit jener Dialektik der vermeintlichen Abwendung von der Moderne ausgesetzt, welche ihre historischen Bezugspunkte referieren muss, um sich von ihnen absetzen zu können. Sie stehen so in Opposition zu Narrativen eines epigonalen Musiktheaters der Jahrhundertwende. Vor dem Vortrag findet die Hauptversammlung der Sektion Bern statt. Beginn um 17.45 Uhr.

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