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Artikuliertes Murmeln: Selbstkultivierung, Körper, und die Rezitation des Quran in Berlin

17.03.2020, 18:30
Bern, Mittelstrasse 43, Raum 120,

Lisa Brusius (Berlin)

Weltweit lernen Muslime, den Quran mit ihren Stimmen vorzutragen. Die göttliche Offenbarung, so lautet der Glaubenssatz, wurde auf Arabisch zu den Menschen herabgesandt und soll ebenso – auf Arabisch – rezitiert werden. Verfälschungen gilt es zu vermeiden. Die richtige Aussprache ist hierbei wesentlich. Sie richtet sich nach den Regeln der sogenannten Wissenschaft des tajwid.
Meine Forschung in Rezitationskursen von Frauen in Berlin zeigt, wie insbesondere für Teilnehmerinnen, deren Muttersprache nicht Arabisch ist, die korrekte Aussprache zur zentralen Herausforderung wird. Die Stimmen der Frauen müssen phonetische Klänge erzeugen, die oft nicht ihrem vokalen Habitus entsprechen. Besonders betroffen sind konvertierte Muslime, die nicht mit den Vokaltechniken der Rezitation sozialisiert wurden. Sie rezitieren wider soziale Kategorien von Kultur und „race“.
Der Vortrag interpretiert die Rezitation des Quran als vokale, phonetische, und klangliche Praxis. Er fragt nach den lokalen Aneignungsprozessen einer globalen Tradition und nach der körperlichen (Re-)Kultivierung von Artikulations- und Stimmtechniken. „Musikalische“ Praktiken diskutiert er an der Schnittstelle von Debatten in den Sound Studies und der Anthropologie der Ethik.

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