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Vortrag: Erinnerungspoetik. Berlioz und die Ranz des vaches-Rezeption im 19. Jahrhundert

20.04.2021, 18:30
online Veranstaltung,

Rafael Rennicke (Tübingen/Baden-Baden)

Der Schweizer Kuhreihen – auch Ranz des vaches genannt – hat im Lauf seiner Geschichte eine staunenerregende Karriere gemacht: Ursprünglich ein Eintreibelied von Hirten zu milch-wirtschaftlichen Zwecken, avancierte er in den Jahrzehnten um 1800 zum intellektuellen Anschauungsobjekt in Medizin und Ästhetik, bevor er zum klingenden, den Menschen bannenden, empirischen Phänomen inmitten der Alpennatur wurde. Im Zuge des romantischen retour à la nature haben neben Literaten auch Komponisten den Kuhreihen in ihre Werke eingelassen – und dies zumeist mit einer nostalgischen Tönung, indem sie ihn beispielsweise in eine Moll-Tonart transponiert oder auf das Englischhorn übertragen haben. Am Musterfall der „Scène aux champs“ aus Hector Berlioz’ Symphonie fantastique (1830) zeigt der Vortrag inwiefern der Ranz des vaches im frühen 19. Jahrhundert in ein progressives Kunstkonzept verstrickt ist und in entscheidender Weise Anteil hat an der Begründung einer musikalischen Erinnerungspoetik der Moderne.

Der Vortrag findet online via Zoom statt:

https://unibe-ch.zoom.us/j/64701541134?pwd=VGFlYXBIdkxpT2hYUkh1Qm5USzBGQT09

Meeting-ID: 647 0154 1134
Kenncode: 662283

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